Künstlerische Forschung

Ritueller Raum

Seit einer Feldforschung zur Gnawa-Musik in Marokko untersuche ich, wie Klang, Wiederholung, Körper, Raum und Gruppe rituelle Situationen hervorbringen — Situationen, in denen sich Wahrnehmung, Affekt, Aufmerksamkeit, soziale Beziehung und leibliche Selbstverortung verändern oder aktivieren können. Mich interessiert, unter welchen Bedingungen das geschieht und wie sich solche Räume heute säkular gestalten lassen.

Was ist der rituelle Raum?

Der rituelle Raum bezeichnet eine Konstellation aus Ort und Situation. Eine Schwelle entsteht, wenn Klang, Wiederholung, Körper, Gruppe, Licht und Zeitstruktur einen Übergang markieren: Aufmerksamkeit, Zeitgefühl, Affekt und Beziehung geraten in einen anderen Modus — im marokkanischen Gnawa-Ritual ebenso wie im Club, im Konzert oder im Workshopraum.

Das Feld umfasst Trance und ekstatische Steigerung ebenso wie ruhige, kontemplative, meditative und sozial integrierende Formen. Dazu gehören politische, ästhetische und therapeutische Ritualformen. Im Kern geht es um rituelle Erfahrungsräume und die Bedingungen, unter denen sie wirksam werden.

Die Forschung fragt nach wiederkehrenden Strukturen ritueller Praxis: Muster, die in sehr unterschiedlichen Kulturen auftauchen und dort verschiedene Bedeutungen erhalten. Menschen bewegen sich dabei zwischen mehreren Weltdeutungen, Umweltbeziehungen und Wahrheitsbezügen. Ein ritueller Raum kann deshalb mehrere Wirklichkeitsbezüge nebeneinander aktivieren.

Mich interessieren die Wirkprinzipien historischer Rituale und die Frage, wie sie sich unter heutigen Bedingungen säkular verstehen, gestalten und erproben lassen — mit klarer Rahmung, verantworteter Intensität und offener Beobachtung.

Resonanz entsteht dabei im Zusammenspiel von Ordnung und Unverfügbarkeit: Ein Raum kann sorgfältig gerahmt sein und bleibt dennoch auf Antwort, Zuhören und das nicht vollständig planbare Geschehen angewiesen.

Forschungsfelder

Zehn Spuren, an denen ich arbeite

Diese zehn Felder sind offene Arbeitslinien. Jedes verbindet eine konkrete Frage mit dem, was sich in der Praxis bisher zeigt, und mit meiner eigenen Arbeit als Musiker. Die Reihenfolge bildet eine Forschungsbewegung: vom Rahmen über Rollen und innere Zustände zu Klang, Körper, Gruppe, Geschichte, Gegenwartspraxis und Evaluation.

01

Schwellen und säkulare Ritualformen

Wie entsteht eine säkulare Schwelle?

Anfang, Eintritt, Verdichtung und Rückführung als Übergang ohne religiöse Rahmung.

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02

Figuren des rituellen Raums

Wer hält, öffnet und führt zurück?

Rollen von Ritualleitung und Musik bis zu Facilitator, DJ und Raumhalter.

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03

Bewusstseinszustände, Trance und Transformation

Welche Zustände verändert ein ritueller Raum?

Trance, Ekstase, Absorption, Flow und Dissoziation, begrifflich unterschieden.

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04

Musik, Wiederholung und Wahrnehmung

Wie erzeugt Musik Verdichtung?

Wiederholung, Tempo und Steigerung als Schwellenmedium.

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05

Klang, Raum, Sensorik und Atmosphäre

Was macht Atmosphäre konkret?

Klang, Licht, Dunkelheit, Geruch und Anordnung als zusammenwirkende Bedingungen.

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06

Körper und Body Memory

Was weiß der Körper?

Atem, Rhythmus, Bewegung, Haltung und Stille als Träger leiblicher Erinnerung.

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07

Gruppe und Synchronisation

Wie entsteht ein gemeinsamer Puls?

Rhythmus, Responsivität, Zeugenschaft und die Verantwortung kollektiver Intensität.

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08

Historische Ritualformen und transkulturelle Übersetzung

Was heißt Übersetzung ohne Kopie?

Mysterien, Dionysos und Gnawa: vergleichbar sind Verfahren statt Bedeutungen.

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09

Politische Emotionen und körperliche Reflexion

Wie werden politische Emotionen körperlich bearbeitbar?

Wut, Trauer und Hoffnung in Re_Connection: strukturieren, bezeugen, bewegen.

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10

Ritualambition und Wirkung

Welche Wirkung strebt ein ritueller Raum an?

Übergang, Intensität, Struktur und Integration als Bedingungen ritueller Praxis.

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Künstlerische Forschung

Künstlerische Praxis als Forschung

Performances, das Instrumentarium, die Workshops und Re_Connection bilden Felder der Beobachtung, Erprobung und Reflexion. Live-Musiksituationen und kollektive Settings liefern Erfahrungswissen über Klang, Körper, Gruppe, Intensität, Aufmerksamkeit, Übergang, Atmosphäre und soziale Rahmung.

Derzeit entwickle ich diese Forschung theoretisch weiter und erprobe einzelne Fragen in eigenen Formaten: Performances, Listening Sessions, Laborformate und Residenzen. Mich interessieren Kontexte, in denen künstlerische Praxis als Erkenntnisform ernst genommen wird — Artistic Research, Kunsthochschulen, Forschungsprogramme und transdisziplinäre Projekte.

Praxisfeld

Re_Connection

Wo die Forschung konkret wird, heißt sie Re_Connection: ein säkulares Praxisfeld, in dem Klang, Körper, Gruppe und Reflexion zusammenkommen. Hier lassen sich viele der genannten Fragen praktisch erproben, gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Tanztherapie und politischer Bildung.

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Kooperation & Austausch

Austausch und Zusammenarbeit

Austausch mit Forschenden, Künstler:innen, Kurator:innen, Therapeut:innen, Praktiker:innen und Institutionen ist ausdrücklich erwünscht — von der Einladung zu Vortrag oder Lecture Performance über gemeinsame Laborformate bis zu längerfristigen Forschungskooperationen. Auch kritische Rückfragen sind willkommen.

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